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Text + Fotos: Enrico Stirl

  

Von Hot Springs geht es jetzt zurück nach Wyoming, quer durch den ganzen Bundesstaat - über Casper und den Wind River Canyon - bis nach Cody, einem Ort vor den Toren des Yellowstone Nationalparks, welcher 1872 gegründet wurde und der erste Nationalpark dieser Welt war. Am bekanntesten sind seine fast 500 Geysire und Thermalquellen. Immer wieder brodelt es, steigen Rauch und Wasserdampf auf.
  
  
Da Amerika das Land der Superlative ist, zählt der Yellowstone Vulkan, auf welchem der Park sitzt, zu den Supervulkanen. In 8 km Tiefe liegt eine gigantische Magmakammer, welche rund 80 km lang, 40 km breit und 10 km tief ist. Die letzte große Eruptionsserie fand vor 640.000 Jahren statt. Der Yellowstone ist immer noch aktiv und sollte er eines unschönen Tages ausbrechen, dürften weite Teile Nordamerikas unbewohnbar werden und auch der Rest der Welt dürfte unter einem globalen Temperatursturz leiden. Da hilft dann auch keine Greta mehr.


Bei der Fahrt durch den Park kommt es des Öfteren zu Staus. Dafür gibt es drei Gründe:
Das Besucheraufkommen im Yellowstone NP ist sehr hoch,
in einigen Teilen finden Straßenbauarbeiten statt (der Asphalt wurde teils meilenweit komplett entfernt - hier macht sich der Jeep bezahlt)
und
regelmäßig trotten Bisons auf die Straße und bringen damit den Verkehr komplett zum Erliegen.
  
Der Yellowstone NP ist riesig und eigentlich bräuchte man viel mehr Zeit, als wir haben. Also machen wir das Beste draus. Erstes Ziel ist der Grand Canyon of the Yellowstone. Der ist natürlich bei weitem nicht so Grand wie das Original in Arizona, aber auch sehenswert. Hier war es auch nicht der Colorado sondern der Yellowstone River, welche sich in die Tiefe fraß und den Canyon schuf. Gleich an zwei Stellen kurz hintereinander stürzt der Yellowstone River als Wasserfall in die Tiefe. Praktischerweise als Upper- bzw. Lower Falls of the Yellowstone bezeichnet. Unten im Bild der  Lower Fall, von Artist Point aus gesehen.


  
An einer anderen Stelle, in der Nähe des Upper Falls, führt Uncle Tom‘s Trail in die Tiefe. Von dort bieten sich fantastische Aussichten inklusive Regenbogen durch den Wasserfall. Aber als wir da sind, hat Onkel Tom seinen Pfad wegen Bauarbeiten gesperrt. Wirklich schade! So können wir nur ein Stück den South Rim Trail entlang wandern. Ein klein wenig kann man von hier oben den Regenbogen jedoch auch sehen. Quasi als Trostpreis.
  
Ein weiterer optischer Höhepunkt ist Mammoth Hot Springs und seine Sinter-Terrassen. Diese entstehen durch die Kristallisation der im heißen Wasser enthaltenen Mineralien. Das Wasser ist ca. 70°C heiß, wenn es aus der Quelle austritt. Da es ein stetig andauernder Prozess ist, ändert sich das Aussehen der Terrassen ebenfalls immer wieder. Also ein lebendes Kunstwerk.


  
Ebenfalls nicht verpassen sollte man Grand Prismatic Spring im Midway Geyser Basin, die größte Thermalquelle der USA und die drittgrößte weltweit. Die Quelle ist 49 m tief und 91 x 75 Meter groß.
  
Das einzige natürliche Leben, welches in diesen heißen Quellen existieren kann, sind thermophile Bakterien und Algen. Und die wiederum sorgen dafür, dass die Quellen in den unterschiedlichsten Farben strahlen. Die Farben sind übrigens temperaturabhängig. Zwischen 50 – 60°C (120 – 140°F) leben Bakterien in stark eisenhaltigem Wasser und sind dadurch mit Rost überzogen, die Färbung ist demenstprechend rötlich-braun. Liegen die Temperaturen zwischen 40 – 55°C (100 – 130°F), leben im Wasser Einzeller, welche wie Pflanzen Photosynthese durchführen und das Wasser deshalb grün aussehen lassen.
Wenn man neben der Quelle steht und der Wind weht, fühlt man unmittelbar den heißen Dampf im Gesicht.
Schaut man sich Grand Prismatic Spring zu ebener Erde an, kann man das ganze Ausmaß und Schönheit gar nicht richtig erfassen. Fährt man aber ein kleines Stück nach Süden, zum Fairy Falls Trail Parkplatz, kann man dem dortigen Pfad folgen und vom Berg aus einen Blick auf das heiße Becken (der Quelle, nicht der Frauen) werfen.


Auf dem Weg zur Grand Prismatic Spring überquert man den Firehole River. An dessen Ufern tritt unmittelbar heißes Wasser aus und fließt dampfend in den Fluss.
  
Im Yellowstone NP ist man schnell mal auf dem Holzweg bzw. Boardwalk (unten links). Ist das Wasser so heiß, dass keine Mikroorganismen mehr drin leben, ist es absolut klar (unten rechts).
  
Die nächste Nacht wird am westlichen Rand des Yellowstone, im Ort West Yellowstone (irgendwie heißt hier alles Yellowstone) in Montana, verbracht.

Besonders am frühen Morgen, wenn die Lufttemperatur noch niedrig ist (in unserem Fall 48°F / 9°C), sieht man an allen Ecken und Enden Dampf, Nebel und Rauchschwaden aufsteigen und die Sonne bricht sich ihren Bann. Ein atemberaubender Anblick.


Wenn es im Yellowstone einen Geysir gibt, von dem die Meisten schon mal etwas gehört haben, dann ist es der Alte Getreue aka Old Faithful. Während die anderen Geysire eher nach Lust und Laune rumgeysiren, kann man sich auf Old Faithful recht gut verlassen, im Schnitt aller 60 - 90 Minuten schießt er seine Fontäne 30 bis 50 Meter in die Höhe. Das soll ihm erstmal einer nachmachen. Nachdem wir das morgendliche Dampfbad in der Landschaft genossen haben, setzen wir uns zum Old Faithful und nach geschätzten 30 Minuten Wartezeit ist Showtime. Just als Old Faithful seine Fontäne in die Luft schleudert, beschließt auch der Infant Geyser im Hintergrund sich zu erleichtern. So erleben wir zwei Ausbrüche zum Wartepreis von Einem.

Vom Yellowstone NP setzen wir unsere lange Fahrt fort in Richtung Süden. Folge uns dorthin im 3. Teil:

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