![]() Text & Fotos: Enrico Stirl | ![]() |
| Den Namen Worcester kennt man aus DDR-Zeiten als Gewürzsoße. Dort nannte man sie „Worschester Soße". Korrekt ausgesprochen wird der Name jedoch „Wuster“ – mit einem schönen rollenden amerikanischen „R“ am Ende. Aber eigentlich ist das eine Stadt in England. Und eine Stadt in Massachusetts. In welche wir fahren. Hier steht an der Franklin Street eine Feuerwache. 27 Jahre früher stand hier noch ein verlassenes riesiges Kühllagerhaus aus dem Jahr 1906. | ![]() |
![]() | Am 3. Dezember 1999 geriet es durch Obdachlose in Brand. Die Feuerwehr schickte zwei Rettungstrupps in das Gebäude, um nach den Obdachlosen zu suchen. Diese hatten sich aber bereits aus dem heißen Staub gemacht. Das Gebäude war größtenteils ohne Fenster und die Etagen labyrinthartig verwinkelt. Das führte dazu, dass sich der Rettungstrupp im verrauchten finsteren Gebäude verirrte und den Feuerwehrleuten im Gebäude der Sauerstoff ausging, bevor sie den Ausgang fanden. Insgesamt 6 Feuerwehrleute kamen dadurch ums Leben. Das Gebäude stürzte durch den Brand ein und wurde abgerissen. Stattdessen wurde hier diese Feuerwache errichtet und im November 2008 offiziell eingeweiht. |
| Die Handlung des Films „Ladder 49“ („Im Feuer“) basiert lose auf diesem Brand des Kühllagerhauses. Im Feuerwehrmuseum auf Key West, welches wir letztes Jahr besucht hatten (siehe hier), ist ein Requisiten-Helm aus diesem Film zu sehen. | ![]() |
![]() | Wir haben auch hier eine nette Konversation mit den Feuerwehrleuten, einer schenkt Ricardo sein altes Feuerwehr-Shirt und ein Basecap der Feuerwehr. Ein anderer weist uns darauf hin, dass an diesem Wochenende in Marlborough ( ca. 27 km nordwestlich von Worcester) die Society for the Preservation and Appreciation of Antique Motor Fire Apparatus in America (Gesellschaft zur Erhaltung und Wertschätzung historischer Feuerwehrfahrzeuge in Amerika) ein großes Event abhält. |
| Spontan machen wir uns auf den Weg und werden nicht enttäuscht. Ein riesiger Parkplatz voller historischer Fahrzeuge aus allen Zeitepochen. Zudem freier Eintritt. Im Bild unten links eine noch von Pferden gezogene Hand-Pumpe aus dem Jahr 1861, damals für die die Stadt Harrisburg/Pennsylvania gebaut. Rechts unten ein Chevrolet Independence aus dem Jahr 1931, der in Carlisle – ebenfalls Pennsylvania – im Dienst stand. | |
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Es gehen einem die Augen über und man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen und fotografieren soll. Mehr Bilder von hier dann auch in der Galerie. | |
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| Weil wir gerade bei historischen Feuerwehrfahrzeugen sind: Auch in Boston gibt es ein Feuerwehrmuseum. Dieses hat nur Sonnabends geöffnet. Und da immer noch Sonnabend ist, fahren wir da hin. Auch hier ist der Eintritt frei. 1891 gebaut, diente es bis 1977 als Feuerwache, seit 1984 ist es ein Museum. Allerdings befinden sich hier noch immer zwei aktive Fahrzeuge. Dieses sind Incident Support Unit Response Vehicles (Einsatzfahrzeuge der Einsatzunterstützungseinheit). Sie kommen bei Großeinsätzen / länger dauernden Einsätzen zur Unterstützung und Verpflegung zum Einsatz. Eine Art Kantine auf Rädern, dazu Pavillons zum Ausruhen. Betrieben wird diese Einheit ehrenamtlich durch aktive und ehemalige Feuerwehrleute, Sanitäter und Polizisten. | ![]() |
![]() | Eines dieser A10 Fahrzeuge ist ein 2015er International EVI (Truck Chassis v. International, Kundenanpassung durch Emergency Vehicles Inc. Florida), links im Bild. |
| Das Gebäude der Wache wurde als „Trust Building or Hanging Building“ bezeichnet. D.h., das Obergeschoss hängt am Dachstuhl (ähnlich einer Hängebrücke), dadurch wurden keine Stützbalken im Erdgeschoss benötigt. Somit blieb genügend Platz, um die 6 Pferde und 2 „Löschfahrzeuge“ mit jeweils einem Schlauchwagen im Gebäude bewegen zu können. 1917 wurden die Pferdewagen durch motorisierte Fahrzeuge ersetzt. | ![]() |
![]() | Aller Anfang war schwer. Diese Handpumpe wurde 1792 von einem Lehrling gebaut, das Wasser wurde permanent mit Eimern nachgefüllt, während gleichzeitig gepumpt wurde, um mit dem Schlauch löschen zu können. |
| Dampfmaschine von 1882, von Manchester (NH) Locomotive Works, wurde ursprünglich von Pferden gezogen, 1916 (nach 34 J.) auf 4-Zyl. Traktormotor von Christie umgerüstet, Top Speed 15 mph (24 km/h), Einsatz auf dieser Wache bis 1926, danach „Auftaugerät“ bei Winterbränden bis 1950er, danach Paradefahrzeug bei Festlichkeiten. Des Weiteren stehen im Museum noch ein American LaFrance von 1926 (ähnlich dem auf Key West) und ein Mack von 1948. | ![]() |
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